Ein Gespräch in der Gestaltungszentrale Politik
Von: Philipp Cartier, Frederik Kampe, Jule Helene Leinpinsel und Robert Schröter
Design zwischen politischer Legitimation und Wirkung – ein Gesprächsprotokoll
APR 2026
Die Gestaltungszentrale Politik ist eine gemeinnützige Initiative aus Designer:innen, die Politiker:innen entwerferisches Arbeiten näher bringt. Nach zweieinhalb Jahren Arbeit mit der Politik und zwei konkreten Prototypen mit Abgeordneten aus dem Bundestag stellen sich vier der Mitglieder erneut eine Frage, die sie seit der Gründung beschäftigt: Wie legitimieren sie ihre Arbeit in der Politik? Wer gibt ihnen das Recht, dort einzugreifen, wo eigentlich nur per Wahl Mandate vergeben werden. Ein reflektierendes Gespräch dazu findet sich hier zusammengefasst und pointiert in einer offenen Aushandlung zwischen vier Perspektiven: der unbequemen Nachfrage, der verbindenden Sortierung, einer schärfenden Vertiefung und einer pragmatischen Forderung.
Die verbindende Perspektive nimmt die Provokation auf und sortiert sie in Ruhe: Ich finde es fast skurril, dass das ein Problem sein soll. Was wäre Demokratie denn ohne zivilgesellschaftliches Engagement? Klar, wir geben mit der Wahl einen Teil unserer Macht als Volk an die Abgeordneten ab und fordern, dass sie in unserem Interesse Gesetze beschließen und eine Regierung wählen. Aber das ist ja nicht alles. Auch eine repräsentative Demokratie lebt davon, dass sich Menschen einbringen. Das ist unser Recht, oder sogar unsere Pflicht.
"Uns als die neutralen Gestalter:innen zu präsentieren, wäre naiv."
Die schärfende Perspektive hält inne, um einzelne Aspekte zu vertiefen: Aber die Ebene ist schon besonders. Wir gehen nicht auf die Straße, oder organisieren uns in einem Verein zu einem expliziten Thema. Wenn wir Abgeordnete beispielsweise bei der Gestaltung von Gesetzesentwürfen begleiten, hat das eine andere Qualität. Das ist nicht der übliche zivilgesellschaftliche Aktivismus.
Die pragmatische Perspektive führt das Gespräch wieder auf die konkrete Arbeit zurück: Die Frage ist: Bringen wir uns mit Inhalten ein oder mit Kompetenzen? Wir reden immer wieder von Gestaltungskultur, da geht es um Kompetenzen, nicht Inhalte. Bei unserem letzten Projekt zum Thema Wohnraumpolitik hatte ich nicht das Gefühl, dass ich Inhalte reingetragen habe. Die Expertise war im Team der Abgeordneten. Unsere Aufgabe war der Prozess.
Die Verbindende: Ich stimme zu, dass die Art und Weise politisch ist. Trotzdem ist es etwas anderes als inhaltliche Einflussnahme. Wir organisieren keine Mehrheiten für ein konkretes Anliegen, wie es bspw. Greenpeace oder irgendein anderer Verband tut. Wir fragen: Wer sitzt mit am Tisch? Welche Perspektiven fehlen? Über welches Format können wir mehrere Perspektiven produktiv in den Prozess eingebringen? Das sind politische Fragen, aber sie zeigen sich am Prozess, nicht am Inhalt. Wir entscheiden auch nie über Lösungsoptionen, wir stellen höchstens welche auf.
Die Unbequeme: Stimmt, das machen die Abgeordneten. Dafür sind sie gewählt. Wir haben bei unserer Gründung gesagt, dass wir deshalb nur mit gewählten Mandatsträger:innen zusammenarbeiten. Sie haben ein demokratisches Mandat. Ist das nicht unsere Legitimation?
Die Verbindende: Im Grunde fängt unsere Legitimation dort an, ja. Der oder die Mandatsträger:in gibt uns das Vertrauen weiter, das ihr gegeben wurde, nicht damit wir ein Thema platzieren, wie im klassischen Lobbyismus, sondern damit wir mit unserer Kompetenz unterstützen. Warum arbeiten Abgeordnete denn mit uns? Weil ihnen eine Kompetenz fehlt. Das hören wir doch immer wieder: Es gibt Abgeordnete, die nicht kreativ arbeiten können oder dafür keine Kapazitäten haben, und das sagen sie uns auch offen. Wir füllen ein Defizit.
Die Schärfende: Also sind wir so etwas wie der Wissenschaftliche Dienst im Bundestag? Politik benötigt externe Kompetenz, wie Wissenschaftler:innen, die ihre Fachexpertise einbringen. Wir machen das als ausgebildete Designer:innen mit unserer Arbeitsweise.
"[W]ir uns hier in gewisser Hinsicht in zivilgesellschaftlichem Neuland."
Die Pragmatische: Der Unterschied ist aber, dass der Wissenschaftliche Dienst fehlende Inhalte durch Fakten, Erkenntnisse oder Studien liefert. Wir liefern Tools in der Prozessunterstützung, die häufig subjektiv und spekulativ sind, keine Inhalte. Das ist eine andere Kategorie.
Die Verbindende: Mit Blick auf die Legitimation fehlt uns hier die Institution. Wissenschaft hat etablierte Methoden, Kontrollmechanismen, eine jahrhundertelange Anerkennung. Diese institutionelle Verankerung haben wir nicht. Deswegen müssen wir uns – noch mehr als Wissenschaft auch – zur Diskussion stellen, Kritik zulassen, mit Argumenten antworten. Kann dieser Prozess der Aushandlung die fehlende Institution ersetzten?
Die Unbequeme: Ja und nein, deshalb arbeiten wir ja auch mit Prototypen. Ich frage mich, wie sich eigentlich NGOs oder Lobbygruppen legitimieren. Wir haben zwar geklärt, dass wir keine Entscheidungen treffen – das machen nur Abgeordnete. Aber unser Prozess hat Einfluss. Wie machen das also Organisationen, die auch explizit Einfluss nehmen wollen? Gewerkschaften beispielweise können sich darüber legitimieren, dass sie eine große Mitgliederbasis haben. Eine Menschenrechts-NGO dadurch, dass sie einem Zweck dient, der gemeinnützig anerkannt ist. Ihre Legitimation ist dann der Dienst am Gemeinwohl.
Die Verbindende: Die Gemeinnützigkeit, die hier angesprochen wird, wird rückwirkend ausgesprochen. Man wird also immer wieder an den tatsächlichen Tätigkeiten gemessen. Wir sind neben „Volks- und Berufsbildung“ und „Wissenschaft und Forschung“ für die „Allgemeine Förderung des demokratischen Staatswesens“ als gemeinnützig anerkannt vom Finanzamt. Wenn ich es richtig verstehe, ist gerade die aber noch kein so etablierter Gemeinnützigkeitsbereich, wie beispielweise Umweltschutz, Kultur oder Sport. Weil es noch keine jahrzehntelange Rechtsprechung gibt, bewegen wir uns hier in gewisser Hinsicht in zivilgesellschaftlichem Neuland.
"wir [sind] so kritisierbar, auch ein Teil unserer Legitimation."
Die Unbequeme: Nochmal, auch deshalb arbeiten wir in Prototypen. Okay, wir haben die Legitimation über die Mandatsträger:innen mit denen wir arbeiten und die Gemeinnützigkeit vom Finanzamt. Das geht auch nur, weil wir selbst ein demokratisch organisierter Verein sind, mit Mitgliederversammlung, Vorstand und so.
Wir haben gerade in der Mitgliederversammlung beschlossen, einen Beirat zu gründen. Diesen wollen wir mit Personen besetzen, die ihre eigene Legitimität besitzen, etwa durch wissenschaftliches, journalistisches oder gesellschaftliches Renommee, das sie sich aufgebaut haben, oder die wiederum für eine Institution wie den Bundestag stehen.
Dazu kommt noch, dass wir von Stiftungen gefördert werden, die gegenüber der Stiftungsaufsicht rechenschaftspflichtig sind.
Die Pragmatische: Und auch die Preise oder Nominierungen, die wir bekommen haben, validieren unsere Arbeit von außen. Das alles machen wir auf unserer Website und unseren Social-Media-Kanälen transparent. Dort wird öffentlich nachvollziehbar, dass unsere Arbeit einen Einfluss hat.
Die Verbindende: Und solange wir das weiter so transparent halten, sind wir so kritisierbar, auch ein Teil unserer Legitimation.
Die Unbequeme: Vielleicht ist das Feld, das wir aufmachen, tatsächlich neu. Wenn wir uns in der Politik umschauen, gibt es wenige Organisationen, die auf dieser Ebene arbeiten. Hier geht es um Stil und Strukturen, nicht um Inhalte. Das ist ein neues Feld und vielleicht genau deswegen auch ein prekäres. Aber zoomen wir doch mal raus, dann ist die Demokratie in einer prekären Situation. Die AfD ist in Umfragen teilweise stärkste Kraft, autoritäre Tendenzen überall. Und in genau dieser Situation müssen Bereiche entstehen, in denen sich Demokratie selbst stärkt. Dazu tragen wir bei – aber diese Bereiche müssen sich ihre Legitimation erst erkämpfen.
Die Schärfende: Wir stärken eine Verbindung, die verloren geht. Auf dem Wahlzettel steht nicht, warum jemand eine bestimmte Partei gewählt hat. Die Entscheidung wird von Inhalten befreit, obwohl sie einen Einfluss haben. Dann haben Abgeordnete ein Mandat, aber entfremden sich im Arbeitsalltag vom Auftrag. Was ist zu tun? Welche Möglichkeiten gibt es? Da sind sie angewiesen auf die Verbindung zur Zivilgesellschaft. Diese Verbindung stärken wir.
Die Unbequeme: Fakt ist, wir können die Frage nicht final beantworten. Wir haben Teilantworten. Und vielleicht ist genau das der Punkt.
Die Verbindende: Demokratie braucht Beteiligung, nicht nur Konsum. Und in dem Moment, wo wir uns über Legitimation unterhalten, sind wir schon mitten im Prozess. Die Legitimation wird ausgehandelt – im Gespräch, in der Kritik, in der Transparenz. Durch gutes Arbeiten. Das ist vielleicht die ehrlichste Antwort, die wir geben können.
BODY OF KNOWLEDGE
Über die Gestaltungszentrale Politik
Politik gestaltet, wir entwerfen.
Die Gestaltungszentrale Politik ist eine überparteiliche Organisation ohne kommerzielles Angebot. Politik in ihrer Gestaltungsarbeit mit spezifischer Expertise zu unterstützen, verstehen wir als ein relevantes und zwingend unabhängiges Angebot für eine starke und wandlungsfähige Demokratie.
→ gestaltungszentrale.org/
Rückfragen von Gestalt Error 409
409: Ihr arbeitet in eurem Gespräch nach und nach heraus, was euch legitimiert. Mal anders herum gefragt: Welches Verhalten, das in eurer Macht steht, wäre illegitim?
Gestaltungszentrale Politik/Person/Perspektive: Antwort
409: Durch Transparenz und Kontrollinstanzen, wie euren aktuell in Gründung befindlichen Beirat, stärkt ihr eure Legitimität. Inwiefern zieht ihr bei diesen Aktivitäten eine Grenze zwischen dem Schaffen von Vertrauen gegenüber den Bürger:innen und Marketing in eigener Sache gegenüber den Abgeordneten (euren “Kunden”)?
Gestaltungszentrale Politik/Person/Perspektive: Antwort
409: Ihr sagt, dass ihr die Verbindung zwischen Abgeordneten und Zivilgesellschaft stärkt, eine Verbindung, die sonst verloren ginge. Mit welchen Methoden tut ihr das in eurem Prozess und wie hoch ist der Anteil an partizipativen Methoden wie Co-Kreation mit Bürger:innen?
Gestaltungszentrale Politik/Person/Perspektive: Antwort
409: Ihr leitet eure Legitimierung auch daraus ab, dass ihr ein Defizit ausgleicht, nämlich das der fehlenden kreativen Kompetenz bei Abgeordneten. Welche Form von Kreativität ist gemeint und warum ist diese aus eurer Sicht entscheidend?
Gestaltungszentrale Politik/Person/Perspektive: Antwort
Auszüge aus der Satzung
xy
Beirat
xy
Förderer
xy
Ein Gespräch in der Gestaltungszentrale Politik
Von: Philipp Cartier, Frederik Kampe, Jule Helene Leinpinsel und Robert Schröter
Design zwischen politischer Legitimation und Wirkung – ein Gesprächsprotokoll
APR 2026
Die Gestaltungszentrale Politik ist eine gemeinnützige Initiative aus Designer:innen, die Politiker:innen entwerferisches Arbeiten näher bringt. Nach zweieinhalb Jahren Arbeit mit der Politik und zwei konkreten Prototypen mit Abgeordneten aus dem Bundestag stellen sich vier der Mitglieder erneut eine Frage, die sie seit der Gründung beschäftigt: Wie legitimieren sie ihre Arbeit in der Politik? Wer gibt ihnen das Recht, dort einzugreifen, wo eigentlich nur per Wahl Mandate vergeben werden. Ein reflektierendes Gespräch dazu findet sich hier zusammengefasst und pointiert in einer offenen Aushandlung zwischen vier Perspektiven: der unbequemen Nachfrage, der verbindenden Sortierung, einer schärfenden Vertiefung und einer pragmatischen Forderung.
Die verbindende Perspektive nimmt die Provokation auf und sortiert sie in Ruhe: Ich finde es fast skurril, dass das ein Problem sein soll. Was wäre Demokratie denn ohne zivilgesellschaftliches Engagement? Klar, wir geben mit der Wahl einen Teil unserer Macht als Volk an die Abgeordneten ab und fordern, dass sie in unserem Interesse Gesetze beschließen und eine Regierung wählen. Aber das ist ja nicht alles. Auch eine repräsentative Demokratie lebt davon, dass sich Menschen einbringen. Das ist unser Recht, oder sogar unsere Pflicht.
"Uns als die neutralen Gestalter:innen zu präsentieren, wäre naiv."
Die schärfende Perspektive hält inne, um einzelne Aspekte zu vertiefen: Aber die Ebene ist schon besonders. Wir gehen nicht auf die Straße, oder organisieren uns in einem Verein zu einem expliziten Thema. Wenn wir Abgeordnete beispielsweise bei der Gestaltung von Gesetzesentwürfen begleiten, hat das eine andere Qualität. Das ist nicht der übliche zivilgesellschaftliche Aktivismus.
Die pragmatische Perspektive führt das Gespräch wieder auf die konkrete Arbeit zurück: Die Frage ist: Bringen wir uns mit Inhalten ein oder mit Kompetenzen? Wir reden immer wieder von Gestaltungskultur, da geht es um Kompetenzen, nicht Inhalte. Bei unserem letzten Projekt zum Thema Wohnraumpolitik hatte ich nicht das Gefühl, dass ich Inhalte reingetragen habe. Die Expertise war im Team der Abgeordneten. Unsere Aufgabe war der Prozess.
Die Verbindende: Ich stimme zu, dass die Art und Weise politisch ist. Trotzdem ist es etwas anderes als inhaltliche Einflussnahme. Wir organisieren keine Mehrheiten für ein konkretes Anliegen, wie es bspw. Greenpeace oder irgendein anderer Verband tut. Wir fragen: Wer sitzt mit am Tisch? Welche Perspektiven fehlen? Über welches Format können wir mehrere Perspektiven produktiv in den Prozess eingebringen? Das sind politische Fragen, aber sie zeigen sich am Prozess, nicht am Inhalt. Wir entscheiden auch nie über Lösungsoptionen, wir stellen höchstens welche auf.
Die Unbequeme: Stimmt, das machen die Abgeordneten. Dafür sind sie gewählt. Wir haben bei unserer Gründung gesagt, dass wir deshalb nur mit gewählten Mandatsträger:innen zusammenarbeiten. Sie haben ein demokratisches Mandat. Ist das nicht unsere Legitimation?
Die Verbindende: Im Grunde fängt unsere Legitimation dort an, ja. Der oder die Mandatsträger:in gibt uns das Vertrauen weiter, das ihr gegeben wurde, nicht damit wir ein Thema platzieren, wie im klassischen Lobbyismus, sondern damit wir mit unserer Kompetenz unterstützen. Warum arbeiten Abgeordnete denn mit uns? Weil ihnen eine Kompetenz fehlt. Das hören wir doch immer wieder: Es gibt Abgeordnete, die nicht kreativ arbeiten können oder dafür keine Kapazitäten haben, und das sagen sie uns auch offen. Wir füllen ein Defizit.
Die Schärfende: Also sind wir so etwas wie der Wissenschaftliche Dienst im Bundestag? Politik benötigt externe Kompetenz, wie Wissenschaftler:innen, die ihre Fachexpertise einbringen. Wir machen das als ausgebildete Designer:innen mit unserer Arbeitsweise.
"[W]ir uns hier in gewisser Hinsicht in zivilgesellschaftlichem Neuland."
Die Pragmatische: Der Unterschied ist aber, dass der Wissenschaftliche Dienst fehlende Inhalte durch Fakten, Erkenntnisse oder Studien liefert. Wir liefern Tools in der Prozessunterstützung, die häufig subjektiv und spekulativ sind, keine Inhalte. Das ist eine andere Kategorie.
Die Verbindende: Mit Blick auf die Legitimation fehlt uns hier die Institution. Wissenschaft hat etablierte Methoden, Kontrollmechanismen, eine jahrhundertelange Anerkennung. Diese institutionelle Verankerung haben wir nicht. Deswegen müssen wir uns – noch mehr als Wissenschaft auch – zur Diskussion stellen, Kritik zulassen, mit Argumenten antworten. Kann dieser Prozess der Aushandlung die fehlende Institution ersetzten?
Die Unbequeme: Ja und nein, deshalb arbeiten wir ja auch mit Prototypen. Ich frage mich, wie sich eigentlich NGOs oder Lobbygruppen legitimieren. Wir haben zwar geklärt, dass wir keine Entscheidungen treffen – das machen nur Abgeordnete. Aber unser Prozess hat Einfluss. Wie machen das also Organisationen, die auch explizit Einfluss nehmen wollen? Gewerkschaften beispielweise können sich darüber legitimieren, dass sie eine große Mitgliederbasis haben. Eine Menschenrechts-NGO dadurch, dass sie einem Zweck dient, der gemeinnützig anerkannt ist. Ihre Legitimation ist dann der Dienst am Gemeinwohl.
Die Verbindende: Die Gemeinnützigkeit, die hier angesprochen wird, wird rückwirkend ausgesprochen. Man wird also immer wieder an den tatsächlichen Tätigkeiten gemessen. Wir sind neben „Volks- und Berufsbildung“ und „Wissenschaft und Forschung“ für die „Allgemeine Förderung des demokratischen Staatswesens“ als gemeinnützig anerkannt vom Finanzamt. Wenn ich es richtig verstehe, ist gerade die aber noch kein so etablierter Gemeinnützigkeitsbereich, wie beispielweise Umweltschutz, Kultur oder Sport. Weil es noch keine jahrzehntelange Rechtsprechung gibt, bewegen wir uns hier in gewisser Hinsicht in zivilgesellschaftlichem Neuland.
"wir [sind] so kritisierbar, auch ein Teil unserer Legitimation."
Die Unbequeme: Nochmal, auch deshalb arbeiten wir in Prototypen. Okay, wir haben die Legitimation über die Mandatsträger:innen mit denen wir arbeiten und die Gemeinnützigkeit vom Finanzamt. Das geht auch nur, weil wir selbst ein demokratisch organisierter Verein sind, mit Mitgliederversammlung, Vorstand und so.
Wir haben gerade in der Mitgliederversammlung beschlossen, einen Beirat zu gründen. Diesen wollen wir mit Personen besetzen, die ihre eigene Legitimität besitzen, etwa durch wissenschaftliches, journalistisches oder gesellschaftliches Renommee, das sie sich aufgebaut haben, oder die wiederum für eine Institution wie den Bundestag stehen.
Dazu kommt noch, dass wir von Stiftungen gefördert werden, die gegenüber der Stiftungsaufsicht rechenschaftspflichtig sind.
Die Pragmatische: Und auch die Preise oder Nominierungen, die wir bekommen haben, validieren unsere Arbeit von außen. Das alles machen wir auf unserer Website und unseren Social-Media-Kanälen transparent. Dort wird öffentlich nachvollziehbar, dass unsere Arbeit einen Einfluss hat.
Die Verbindende: Und solange wir das weiter so transparent halten, sind wir so kritisierbar, auch ein Teil unserer Legitimation.
Die Unbequeme: Vielleicht ist das Feld, das wir aufmachen, tatsächlich neu. Wenn wir uns in der Politik umschauen, gibt es wenige Organisationen, die auf dieser Ebene arbeiten. Hier geht es um Stil und Strukturen, nicht um Inhalte. Das ist ein neues Feld und vielleicht genau deswegen auch ein prekäres. Aber zoomen wir doch mal raus, dann ist die Demokratie in einer prekären Situation. Die AfD ist in Umfragen teilweise stärkste Kraft, autoritäre Tendenzen überall. Und in genau dieser Situation müssen Bereiche entstehen, in denen sich Demokratie selbst stärkt. Dazu tragen wir bei – aber diese Bereiche müssen sich ihre Legitimation erst erkämpfen.
Die Schärfende: Wir stärken eine Verbindung, die verloren geht. Auf dem Wahlzettel steht nicht, warum jemand eine bestimmte Partei gewählt hat. Die Entscheidung wird von Inhalten befreit, obwohl sie einen Einfluss haben. Dann haben Abgeordnete ein Mandat, aber entfremden sich im Arbeitsalltag vom Auftrag. Was ist zu tun? Welche Möglichkeiten gibt es? Da sind sie angewiesen auf die Verbindung zur Zivilgesellschaft. Diese Verbindung stärken wir.
Die Unbequeme: Fakt ist, wir können die Frage nicht final beantworten. Wir haben Teilantworten. Und vielleicht ist genau das der Punkt.
Die Verbindende: Demokratie braucht Beteiligung, nicht nur Konsum. Und in dem Moment, wo wir uns über Legitimation unterhalten, sind wir schon mitten im Prozess. Die Legitimation wird ausgehandelt – im Gespräch, in der Kritik, in der Transparenz. Durch gutes Arbeiten. Das ist vielleicht die ehrlichste Antwort, die wir geben können.
BODY OF KNOWLEDGE
Über die Gestaltungszentrale Politik
Politik gestaltet, wir entwerfen.
Die Gestaltungszentrale Politik ist eine überparteiliche Organisation ohne kommerzielles Angebot. Politik in ihrer Gestaltungsarbeit mit spezifischer Expertise zu unterstützen, verstehen wir als ein relevantes und zwingend unabhängiges Angebot für eine starke und wandlungsfähige Demokratie.
→ gestaltungszentrale.org/
Rückfragen von Gestalt Error 409
409: Ihr arbeitet in eurem Gespräch nach und nach heraus, was euch legitimiert. Mal anders herum gefragt: Welches Verhalten, das in eurer Macht steht, wäre illegitim?
Gestaltungszentrale Politik/Person/Perspektive: Antwort
409: Durch Transparenz und Kontrollinstanzen, wie euren aktuell in Gründung befindlichen Beirat, stärkt ihr eure Legitimität. Inwiefern zieht ihr bei diesen Aktivitäten eine Grenze zwischen dem Schaffen von Vertrauen gegenüber den Bürger:innen und Marketing in eigener Sache gegenüber den Abgeordneten (euren “Kunden”)?
Gestaltungszentrale Politik/Person/Perspektive: Antwort
409: Ihr sagt, dass ihr die Verbindung zwischen Abgeordneten und Zivilgesellschaft stärkt, eine Verbindung, die sonst verloren ginge. Mit welchen Methoden tut ihr das in eurem Prozess und wie hoch ist der Anteil an partizipativen Methoden wie Co-Kreation mit Bürger:innen?
Gestaltungszentrale Politik/Person/Perspektive: Antwort
409: Ihr leitet eure Legitimierung auch daraus ab, dass ihr ein Defizit ausgleicht, nämlich das der fehlenden kreativen Kompetenz bei Abgeordneten. Welche Form von Kreativität ist gemeint und warum ist diese aus eurer Sicht entscheidend?
Gestaltungszentrale Politik/Person/Perspektive: Antwort
Auszüge aus der Satzung
xy
Beirat
xy
Förderer
xy
ABOUT US GESTALT ERROR 409
ANKÜNDIGUNG Unsere Veranstaltungen im Rahmen der WDC 409
PROJEKT Präzision egal, strategisch klingt halt geil. Ein Mini-Glossar Sabeth Wiese
PROJEKT Auto Fiktion – eine Projekt-Dokumentation. Jakob Nonnen
ESSAY Paternalistisches Design? – Wenn Nudging sozial wird Niklas Jung
ILLUSTRATION In Design Limbo Pt.3 Mira Schleinig
BEOBACHTUNG Erfahrungsbericht VW in Wolfsburg 409
USE »Atemberaubend, oder?« Eine Apple Vision Pro Rezension Jakob Nonnen
ESSAY Extended Creativity: a Human Centered Approach to Working with AI Felix Dölker
USE The Curious Case of the TrackPoint ChatGPT & Sabeth Wiese
INTERVIEW Fünf Fragen zu Bibliothekspflanzen Anne Christensen
INTERVIEW Über Theorie und Praxis Prof. Dr. Felix Kosok
USE Traumreise in die Unterwelt Sabeth Wiese
BEOBACHTUNG Erfahrungsbericht Bauhaus Dessau 409
INTERVIEW Fünf Fragen zu Symbiosis – Living together Carl F. Then
INTERVIEW Five Questions on the University of Brighton Design Archives Sue Breakell
READ Backstage Talks Magazine Sabeth Wiese
ESSAY Zu Design und Utopie. Ein essayistisches Plädoyer Fabio Sacher
PROJEKT About Kreativbranche II: unglitched but shit Sabeth Wiese
PROJEKT Scherben Sammeln? Mudlarking Charlotte Bluhme
INTERVIEW Über die Grenzen des Designs Constanze Buckenlei und Marco Kellhammer
BEOBACHTUNG Eva Illouz und die Wurzeln der Experience Sabeth Wiese
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USE DB, warum lässt du mich so sitzen? Sabeth Wiese
ESSAY Crypto Aesthetics Johannes Wilke
USE Der geschenkte Wasserfilter Franziska Porsch
READ Geschichte des Designs Carl F. Then
INTERVIEW About Design at Olivetti Pietro Cesari
USE Liebeserklärung an das Mono A Sabeth Wiese
BEOBACHTUNG Erfahrungsbericht Vitra Campus 409
INTERVIEW Fünf Fragen zu Hans "Nick" Roerichts Archiv Viktoria Lea Heinrich
ESSAY Gendered Embodiment through Designed Objects Anis Anais Looalian
BEOBACHTUNG Inside BWL Sabeth Wiese
INTERVIEW Fünf Fragen zu Designmanifesten Prof. Dr. Daniel Hornuff
ZITATE Designliteratur in Zitaten 409
PROJEKT GELD GELD GELD Sabeth Wiese
ILLUSTRATION In Design Limbo Pt.2 Mira Schleinig
WATCH Design is [messy] Carl F. Then
PROJEKT Umwandlungen. Gestaltung mit einem Insekt Simon Schmalhorst
INTERVIEW Über Designliteratur Helge Aszmoneit
READ Wie eine Person zu einem Nutzer wurde Franziska Porsch
PROJEKT Glitched about Kreativbranche Sabeth Wiese
ILLLUSTRATION In Design Limbo Pt.1 Mira Schleinig
READ Artificial Intelligence. A Guide for Thinking Humans Carl F. Then
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